Was ist Mikrodermabrasion? Einfach erklärt
Veröffentlicht: 20.11.2017
Kurz erklärt
Mikrodermabrasion (auch Microdermabrasion) ist ein apparatives, mechanisches Peeling-Verfahren der Kosmetik. Dabei wird die oberste Hornschicht der Haut kontrolliert mit feinen Kristallen oder einem Diamantaufsatz abgetragen und das gelöste Material per Vakuum abgesaugt. Das regt die Zellerneuerung an und verfeinert das Hautbild — ohne Schnitte, Betäubung oder Ausfallzeit.
Das Funktionsprinzip: kontrollierte Abtragung der Hornschicht
Die oberste Lage der Haut, die Hornschicht der Epidermis, besteht aus abgestorbenen, verhornten Zellen. Sie werden laufend abgestoßen und von unten ersetzt. Dieser Erneuerungszyklus dauert bei junger Haut rund vier Wochen und verlangsamt sich mit dem Alter. Sammeln sich alte Hornzellen an, wirkt der Teint fahl, Poren verstopfen leichter, und Pflegewirkstoffe dringen schlechter ein.
Genau hier setzt die Microdermabrasion an. Ein Schleifkopf trägt die obersten Zelllagen mechanisch und gleichmäßig ab, während ein Vakuum das gelöste Material absaugt. Der doppelte Reiz aus Abrieb und Unterdruck fördert die Durchblutung und signalisiert der Basalschicht der Epidermis, schneller neue Zellen zu produzieren. Dabei bleibt das Verfahren bewusst oberflächlich: Es verletzt die Haut nicht, es entstehen keine Wunden, und nach der Behandlung ist man sofort wieder gesellschaftsfähig. Welche Ergebnisse damit realistisch erreichbar sind, zeigt der Artikel Vorher-Nachher: Ergebnisse & Erwartungen.
Drei technische Varianten: Kristall, Diamant, Vakuum
In Studios und bei Heimgeräten begegnen einem drei Umsetzungen desselben Prinzips.
Kristall-Mikrodermabrasion ist die ursprüngliche Methode: Feine Mikrokristalle, in der Regel Korund (Aluminiumoxid), werden mit Druck über ein Handstück auf die Haut gestrahlt und zusammen mit den gelösten Hautschüppchen sofort wieder abgesaugt. Die Intensität lässt sich über Kristallmenge und Druck steuern. Der Nachteil liegt im Material: Das Strahlmittel wird verbraucht, und Kristallreste auf der Haut müssen sorgfältig entfernt werden. Welche Kristall-Geräte für den Heimgebrauch geeignet sind, zeigt die Kategorie-Übersicht.
Diamant-Mikrodermabrasion ersetzt die losen Kristalle durch eine fest mit Diamantpartikeln beschichtete Aufsatzspitze, mit der über die Haut gefahren wird. Verschiedene Körnungen und Aufsatzgrößen erlauben eine präzise Anpassung an Hautareal und Empfindlichkeit. Da kein Strahlmittel verbraucht wird und nichts auf der Haut zurückbleibt, gilt die Methode als hygienischer. Sie dominiert heute sowohl im Studio als auch bei Diamant-Geräten für zuhause.
Vakuum-Geräte (oft als „Porensauger” oder vereinfachte Heimgeräte vermarktet) arbeiten primär mit Unterdruck und nur milden Schleifaufsätzen. Sie reinigen Poren und beleben die Durchblutung, erreichen aber nicht die Abtragungsleistung echter Mikrodermabrasion. Eher eine Einstiegsstufe als ein gleichwertiger Ersatz.
Wichtige Abgrenzung: Mikrodermabrasion ist keine Dermabrasion
Ein Wortbestandteil mehr oder weniger, kann das so wichtig sein? In diesem Fall: ja. Trotz des ähnlichen Namens trennen die beiden Verfahren Welten. Die Dermabrasion ist ein medizinisch-chirurgischer Eingriff: Unter örtlicher Betäubung oder Narkose schleift eine Ärztin bzw. ein Arzt die Haut bis in tiefere Schichten ab, etwa zur Korrektur tiefer Narben. Die Heilung der Schleifwunden dauert Wochen, und Risiken wie Narbenbildung, Pigmentverschiebungen und Infektionen sind real.
Die Mikrodermabrasion wurde 1985 von den italienischen Medizinern Marini und Lo Brutto gezielt als sanfte Alternative zu Dermabrasion und aggressiven chemischen Peelings entwickelt. Sie trägt nur die abgestorbene Hornschicht ab, kommt ohne Betäubung aus und verursacht keine Ausfallzeit. Deshalb ist sie als kosmetische Behandlung im Studio wie für die Heimanwendung zugelassen. Wer mit „Dermabrasion” eine Narbenkorrektur meint, ist beim Hautarzt richtig, nicht im Kosmetikstudio.
Wo wird Mikrodermabrasion angewendet?
Das Szenario, das in Beratungsgesprächen und Erfahrungsberichten am häufigsten auftaucht: Die Haut ist eigentlich gesund, sieht aber trotz ordentlicher Pflege müde aus. Der Teint fahl, die Poren an Nase und Wangen sichtbar, hier und da ein Pickelmal, das einfach nicht verblassen will. Genau für dieses Profil wurde das Verfahren populär. Klassisches Einsatzgebiet ist das Gesicht; ebenso behandelt werden Hals, Dekolleté, Hände und der Rücken (etwa bei Unreinheiten). Typische Anliegen:
- fahler, müder Teint und raue Hautstruktur
- vergrößerte, verstopfte Poren und Mitesser
- Pickelmale und flache, oberflächliche Aknenarben
- oberflächliche Pigment- und Sonnenflecken
- erste Knitterfältchen und feine Linien
Die Behandlung erfolgt entweder im Kosmetikstudio (üblich: Kuren von 5 bis 10 Sitzungen im Abstand von zwei bis vier Wochen, je Sitzung meist 50 bis 150 Euro) oder in Eigenregie mit einem Heimgerät. Wie das praktisch abläuft, beschreibt die Anleitung für die Mikrodermabrasion zuhause.
Praxis-Tipp: Wer unsicher ist, ob die Methode zur eigenen Haut passt, bucht zuerst eine einzelne Studio-Sitzung, bevor ein Gerät angeschafft wird. Eine Behandlung kostet etwa so viel wie ein Einsteigergerät. Dafür gibt es das Hautgefühl, die Reaktion der eigenen Haut und meist eine ehrliche Einschätzung der Kosmetikerin gleich mit.
Für wen geeignet — und für wen nicht
Geeignet ist das Verfahren für gesunde, normal robuste Haut nahezu jeden Alters und Hauttyps. Gerade Misch- und fettige Haut mit Neigung zu verstopften Poren profitiert deutlich; auch reife Haut mit verlangsamter Zellerneuerung spricht gut an.
Nicht oder nur nach ärztlicher Rücksprache behandelt werden sollte bei:
- aktiver, entzündlicher Akne mit Pusteln: mechanischer Abrieb kann Bakterien verteilen
- Rosacea und ausgeprägter Couperose: Reiz und Vakuum können Schübe und sichtbare Äderchen verstärken
- Herpes, bakteriellen oder viralen Hautinfektionen im Behandlungsareal
- frischen Wunden, frischen Narben und Sonnenbrand
- Neurodermitis- oder Psoriasis-Herden an den behandelten Stellen
- Isotretinoin-Therapie (Akne-Medikament): die Haut ist währenddessen und Monate danach besonders verletzlich
- Neigung zu Keloiden (wuchernden Narben)
Die vollständige Übersicht inklusive typischer Nebenwirkungen liefert der Artikel Risiken & Nebenwirkungen. Der Grundsatz dahinter ist einfach: Was entzündet, verletzt oder krankhaft verändert ist, gehört vor jeder kosmetischen Behandlung in dermatologische Abklärung.
Microdermabrasion im Vergleich zu anderen Peeling-Verfahren
Im Spektrum der Peelings besetzt die Mikrodermabrasion die mechanisch-apparative Mitte: gründlicher und gleichmäßiger als ein Rubbelpeeling aus der Drogerie, sanfter und oberflächlicher als mitteltiefe Fruchtsäurepeelings (die chemisch arbeiten) und deutlich sanfter als ärztliche Verfahren wie Laser-Resurfacing oder die erwähnte chirurgische Dermabrasion. Wer zwischen apparativen Methoden abwägt, findet im Vergleich Mikrodermabrasion oder Microneedling die Entscheidungshilfe: Die beiden Verfahren setzen an unterschiedlichen Hautschichten an und lösen unterschiedliche Probleme.
Unsere Einschätzung: Die Mikrodermabrasion ist kein Wundermittel, aber ein ehrliches Verfahren. Sie tut genau das, was ihr Wirkprinzip hergibt, nicht mehr. Wer fahlen Teint, verstopfte Poren oder Pickelmale angehen will, bekommt eines der am besten kalkulierbaren kosmetischen Verfahren überhaupt; für den Einstieg zuhause lohnt ein Blick in den Geräte-Vergleich. Wer dagegen tiefe Falten oder Narben loswerden möchte, sollte sich den Umweg sparen und direkt über medizinische Optionen beraten lassen.
Weiterlesen
Passende Produkte im Überblick
Alle empfehlenswerten Modelle mit aktuellen Preisen gibt es in unserem Vergleich.
Häufig gestellte Fragen
Ein Handstück schleift mit Mikrokristallen oder einer diamantbeschichteten Spitze abgestorbene Hornzellen von der Hautoberfläche ab. Ein gleichzeitig wirkender Unterdruck saugt gelöste Hautschüppchen und Talg ab und regt die Durchblutung an. Der kontrollierte Reiz beschleunigt die natürliche Zellerneuerung der Epidermis.
Realistisch erreichbar sind ein frischerer, ebenmäßigerer Teint, feiner wirkende Poren, schneller verblassende Pickelmale sowie über mehrere Sitzungen eine Milderung oberflächlicher Pigmentflecken und flacher Aknenarben. Tiefe Falten und tiefe Narben verändert das Verfahren nicht.
Nein, die Behandlung gilt als schmerzfrei. Spürbar sind ein feines Kratzen oder Schmirgeln auf der Haut und ein leichtes Ziehen durch den Unterdruck. Direkt danach kann die Haut gerötet sein und etwas spannen — vergleichbar mit einem leichten Sonnenbrandgefühl.
Bei der Kristall-Methode werden lose Mikrokristalle (meist Korund) auf die Haut gestrahlt und wieder abgesaugt. Die Diamant-Methode schleift mit einer fest beschichteten Aufsatzspitze — ohne loses Strahlmittel, dadurch präziser dosierbar und hygienischer. Die Ergebnisse beider Varianten sind vergleichbar.
Für gesunde, unempfindliche bis normal empfindliche Haut mit fahlem Teint, vergrößerten Poren, Pickelmalen, oberflächlichen Pigmentflecken oder ersten Knitterfältchen. Ungeeignet ist sie bei aktiver entzündlicher Akne, Rosacea-Schüben, Herpes, frischen Wunden, Sonnenbrand und während einer Isotretinoin-Therapie.